1. Das Wahlprogramm spielt Verstecken
Die Berliner AfD hat ihr Wahlprogramm für 2026 zwar politisch beschlossen. Öffentlich prominent auffindbar ist es bislang aber nicht. Es wirkt fast so, als habe sich das Programm lieber versteckt – vielleicht, weil es selbst weiß, wie wenig Substanz darin steckt.
Greifbar ist vor allem ein Leitantrag. Und der zeigt ausgerechnet bei den Zukunftsthemen Berlins auffällige Leere: Wirtschafts- und Digitalpolitik kommen kaum ernsthaft vor. Verwaltungsdigitalisierung, ITDZ, E-Akte, digitale Infrastruktur, Start-ups, Rechenzentren, KI-Standort, Flächen, Energie, Innovationsökosystem – alles Themen, die für Berlin zentral wären. Die AfD behandelt sie aber bestenfalls am Rand. Offenbar ist das zu kompliziert.
2. Laut sein ist kein Konzept
Die AfD kann Probleme benennen. Berlin hat eine langsame Verwaltung. Berlin hat Digitalisierungsrückstände. Berlin hat komplizierte Genehmigungen. Berlin hat Standortprobleme bei Flächen, Energie und Infrastruktur.
Aber Probleme erkennen ist noch keine Politik. Wer nur ruft „Bürokratie weg!“, hat noch kein Verfahren beschleunigt. Wer „Digitalisierung!“ sagt, hat noch keine IT-Architektur gebaut. Wer „Mittelstand stärken!“ fordert, hat noch keine Standortstrategie finanziert.
Die AfD verwechselt Empörung mit Lösungskompetenz.
3. Digitalpolitik aus dem Faxgerät
Bei Digitalisierung bleibt die AfD dort vage, wo es fachlich ernst wird: Zuständigkeiten zwischen Senat und Bezirken, Steuerung des ITDZ, E-Akte, Fachverfahren, Schnittstellen, Finanzierung, IT-Sicherheit, Open Source, Verwaltungsprozesse.
Das ist keine Digitalpolitik. Das ist ein Beschwerdebrief mit WLAN-Symbol.
Berlin braucht klare Standards, funktionierende Basisdienste, verbindliche Projektsteuerung und digitale Verwaltungsprozesse. Die AfD liefert dazu keine belastbare Architektur, sondern vor allem den bekannten Reflex: viel Kritik, wenig Können.
4. Wirtschaftspolitik als Wunschzettel
Auch wirtschaftspolitisch ist das Bild schwach: Steuern runter, Abgaben weg, Vergaberecht abschaffen, Investitionen hoch, Mittelstand stärken, Industrie ansiedeln, Verwaltung verschlanken – alles gleichzeitig, alles sofort, alles ohne seriöse Gegenfinanzierung.
Das ist keine Wirtschaftspolitik. Das ist Wunschzettelökonomie.
Wer Berlin wirtschaftlich stärken will, muss über Flächen, Strom, Genehmigungen, Fachkräfte, Infrastruktur, Hochschulen, Kapital, Clusterpolitik und Haushaltsrealität sprechen. Die AfD spricht lieber über Feindbilder. Das ist einfacher. Und offenbar bequemer.
5. Hightech-Vokabeln ohne Hightech-Verstand
KI, Halbleiter, Robotik, Quantencomputing, digitale Souveränität – die AfD benutzt moderne Begriffe wie Dekoration. Nur: Zukunftsbranchen entstehen nicht durch Schlagworte.
Wer Hightech will, braucht Standortpolitik. Wer Rechenzentren will, muss über Energie, Abwärme, Netze und Flächen reden. Wer KI will, muss über Daten, Rechenleistung, Talente und Investitionen reden. Wer Digitalisierung will, muss Verwaltungsprozesse umbauen.
Die AfD klebt sich Zukunftsbegriffe ans Revers, bleibt aber inhaltlich im Gestern stehen.
6. Alternative für Doofe – und Faule
Damit ist die Abkürzung fast ehrlicher als der Parteiname:
AfD = Alternative für Doofe – und Faule.
Für Doofe, weil einfache Parolen auf komplexe Fragen verkauft werden.
Für Faule, weil man sich die Mühe spart, diese Parolen fachlich zu prüfen.
Die Partei liefert keine belastbare Wirtschaftsstrategie, keine ernsthafte Digitalagenda und keine glaubwürdige Antwort auf Berlins Zukunftsfragen. Sie bietet Empörung für Menschen, die keine Lust auf Komplexität haben.
Vernichtendes Fazit
Die AfD ist in der Berliner Wirtschafts- und Digitalpolitik keine Alternative, sondern eine Zumutung. Sie benennt Probleme, versteht aber ihre Ursachen nicht. Sie fordert Lösungen, erklärt aber nicht deren Umsetzung. Sie verspricht Entlastung, verschweigt aber die Finanzierung. Sie redet von Zukunft, bleibt aber fachlich in der Vergangenheit stecken.
Berlin braucht Kompetenz, Modernisierung und Umsetzungsstärke. Die AfD bietet Lautstärke, Denkfaulheit und programmatische Leere.
Wer diese Partei wählt, dem ist nicht zu helfen.