Veröffentlicht am 11. Juli 2025
Berlin im KI-Boom: Innovation braucht Rechenleistung
Berlin entwickelt sich zunehmend zu einem führenden Standort für daten- und rechenintensive Schlüsseltechnologien. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) entstehen durch Forschung, Entwicklung und Produktivsetzung enorm hohe Anforderungen an die digitale Infrastruktur – insbesondere an energieeffiziente, GPU-optimierte Rechenzentren mit hoher Verfügbarkeit.
Diese Analyse beleuchtet den prognostizierten KI-Rechenleistungsbedarf bis 2030, den aktuellen und geplanten Ausbau von Rechenzentren in Berlin und Brandenburg sowie den daraus resultierenden Handlungsbedarf für Politik, Wirtschaft und Stadtentwicklung.
KI-Standort Berlin: Start-up-Vielfalt, Konzernniederlassungen und Wissenschaftsexzellenz
🔹 Berliner KI-Start-ups
Über 800 KI-Unternehmen sind in Berlin aktiv – darunter besonders innovative Start-ups mit teils internationaler Strahlkraft:
- Parloa – KI-basierte Voice-Bots für den Kundenservice
- Merantix – Inkubator für vertikale KI-Anwendungen in Medizin, Mobilität und Finanzen
- Kern AI – Entwicklerplattform für qualitativ hochwertige Trainingsdaten
- Deep Neuron Lab – Spezialisierung auf KI-gestützte Bildverarbeitung in der Medizin
- Squantum – KI-gestützte Optimierung von Energieverbräuchen
- Neohelden – Kontextsensitive Assistenzsysteme für industrielle Prozesse
- Understand.ai – Trainingsdaten für autonomes Fahren
- ddia – Semantische Analyse für Geschäftskennzahlen
- Mostly AI – Generative KI für synthetische Datensätze
🔹 Globale Konzerne mit KI-Standorten in Berlin
Auch internationale Unternehmen treiben von Berlin aus KI-Innovationen voran:
- Deutsche Bahn, Siemens, SAP entwickeln KI für Mobilität und Industrieautomatisierung
- Zalando nutzt KI für Personalisierung und Preisoptimierung
- BASF, Bayer setzen KI in Forschung und Wirkstoffentwicklung ein
- Amazon Web Services (AWS) betreibt Cloud-KI-Angebote mit regionaler Nähe
- Microsoft, Meta investieren in KI-Ethik, Open Source und Sprachmodelle
🔹 Forschungslandschaft mit Rechenhunger
Wissenschaftliche Einrichtungen wie die Charité, das Zuse-Institut, Fraunhofer HHI, BIFOLD oder das Hasso-Plattner-Institut sind hochgradig auf lokal verfügbare Rechenleistung angewiesen, um KI-Modelle auf medizinischen, linguistischen oder raumzeitlichen Daten trainieren zu können.
📈 Rechenleistungsbedarf: Herleitung und Prognose bis 2030
Der KI-spezifische Rechenleistungsbedarf Berlins wird für das Jahr 2024 auf etwa 40 MW GPU-basierte IT-Last geschätzt. Die Annahme basiert auf dem heutigen Bedarf typischer Berliner Akteure in Start-ups, Forschung und Wirtschaft. Ausgehend von einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 33 %, das sich an internationalen Entwicklungspfaden (z. B. McKinsey, Uptime Institute) orientiert, ergibt sich für 2030 ein rechnerischer Bedarf von rund 420 MW:
40 MW × (1 + 0,33)^6 ≈ 420 MW
Diese Entwicklung reflektiert insbesondere die zunehmende Nutzung generativer KI, wachsender Datenmengen und steigender Einsatzdichte in produktiven Anwendungen.
🔧 Anforderungen an KI-fähige Rechenzentren
- ≥ 20–40 kW IT-Last pro Rack
- Flüssigkühlung bzw. hybride Kühllösungen
- GPU-optimierte IT-Module (z. B. NVIDIA H100)
- Glasfaseranbindung mit niedriger Latenz
- Redundanzsysteme (N+1 bis 2N)
- Energieeffizienzkennziffer PUE ≤ 1,3
🏗️ Rechenzentrumsausbau: Entwicklung Berlin und Brandenburg
Die installierte Rechenzentrumsleistung in der Hauptstadtregion wird sich zwischen 2024 und 2030 mehr als versechsfachen – von aktuell 134 MW auf künftig 858 MW.
In Berlin bestehen oder entstehen u. a.:
- NTT Berlin 1:
https://services.global.ntt/de-de/services-und-produkte/global-data-centers/globale-standorte/emea/berlin-1-data-center - NTT Berlin 2:
https://services.global.ntt/de-de/services-und-produkte/global-data-centers/globale-standorte/emea/berlin-2-data-center - PREA Bluestar Berlin:
https://prea.eu/de/insights/latest/bluestar - Maincubes BER01 Berlin:
https://www.maincubes.com/en/data-centers/berlin-01/ - IPB / CarrierColo Berlin:
https://www.carrier-colo.com/de/datacenter/ - Speedbone Berlin:
https://speedbone.de/de/colocation/rechenzentrum-berlin.html - SysEleven Berlin:
https://www.syseleven.de/ueber-uns/unsere-rechenzentren/ - Penta Infra Berlin:
https://penta-infra.com/data-centers/berlin
In Brandenburg existieren oder werden errichtet:
- Virtus Wustermark (300 MW):
https://virtusdatacentres.com/news/virtus-announces-300mw-campus-in-berlin - Maincubes BER02 (Nauen):
https://www.maincubes.com/data-center-ber02-berlin/ - NTT Berlin 3 (Brieselang):
https://dc.ntt.com/en-us/newsroom/berlin3-datacenter-2025 - Vantage Berlin I (Brandenburg Park):
https://vantage-dc.com/data-center-locations/emea/berlin-i-germany/ - Vantage Berlin II (Mittenwalde):
https://vantage-dc.com/news/vantage-data-centers-opens-three-new-facilities-in-berlin-and-frankfurt-establishes-office-in-raunheim-germany - Colt DCS (Berlin 1 und 2):
https://www.coltdatacentres.net/de-DE/our-locations/data-centre-locations-europe/berlin-1-and-2
📊 Bedarf vs. Kapazität – differenzierte Tabelle
Jahr | KI-Bedarf Berlin (MW) | Kapazität Berlin (MW) | Kapazität Brandenburg (MW) | Gesamt-Kapazität (MW) | AI-fähige Kapazität (MW, geschätzt) | Differenz Bedarf – AI-Kapazität (MW) |
---|---|---|---|---|---|---|
2024 | 40 | 101 | 33 | 134 | 40 (30 %) | ± 0 |
2025 | 70 | 101 | 39 | 140 | 44 (31 %) | –26 |
2026 | 115 | 161 | 133 | 294 | 107 (36 %) | –8 |
2027 | 180 | 161 | 233 | 394 | 161 (41 %) | –19 |
2028 | 260 | 247 | 340 | 587 | 267 (45 %) | +7 |
2029 | 340 | 304 | 379 | 683 | 312 (46 %) | –28 |
2030 | 420 | 360 | 498 | 858 | 429 (50 %) | +9 |
🧭 Fazit: Infrastruktur als Fundament der KI-Region Berlin-Brandenburg
Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg entwickelt sich dynamisch zum europäischen Knotenpunkt für KI-Innovationen. Damit Forschungseinrichtungen, Start-ups und internationale Unternehmen hier dauerhaft Wertschöpfung generieren können, ist eine robuste, regional verfügbare und leistungsfähige Infrastruktur für KI-Anwendungen unverzichtbar.
Entscheidend ist, dass in Berlin und Umgebung dauerhaft genügend Rechenleistung bereitsteht – insbesondere in Form von HPC-fähigen, GPU-optimierten Rechenzentren, die sowohl wissenschaftlichen als auch wirtschaftlichen Anforderungen gerecht werden.
Dabei zeigt sich bereits ab 2026 ein zunehmender Engpass zwischen dem tatsächlichen Bedarf und der real verfügbaren KI-tauglichen Rechenzentrumsleistung. Diese Lücke ist nicht allein mengenmäßig, sondern auch qualitativ relevant – da nicht jede neue Fläche automatisch für anspruchsvolle KI-Workloads geeignet ist.
Verlässlich verfügbare, KI-fähige Rechenzentrumskapazitäten sind nötig, um dem perspektivisch wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Besonders HPC-orientierte Rechenzentren sowie modulare, GPU-optimierte Colocation- und Edge-Infrastrukturen könnten hierbei eine tragende Rolle spielen, sofern sie bereits in der Planungs- und Genehmigungsphase auf die spezifischen Anforderungen rechenintensiver KI-Anwendungen ausgerichtet würden.
Berlin kann dabei von der Ausweisung großflächiger, leistungsfähiger Standorte im Brandenburger Umland profitieren – vorausgesetzt, diese ergänzen das urbane Angebot gezielt.
