Fortschritt für die DSL-Abschaltung – offener Regulierungsbedarf bei HFC (Berliner Perspektive)
Im ersten Blogbeitrag
„Kupfer-Glas-Migration nach BNetzA: Fortschritt für die DSL-Abschaltung, offener Regelungsbedarf bei HFC – das Beispiel Berlin“
wurde die Ausgangslage grundlegend eingeordnet:
http://fachblog.michaelpemp.de/telekommunikation/kupfer-glas-migration-nach-bnetza-fortschritt-fuer-die-dsl-abschaltung-offener-regelungsbedarf-bei-hfc-das-beispiel-berlin/
Die dort formulierte Kernthese bleibt richtig und wird durch die aktuelle Entwicklung weiter geschärft: Der eingeschlagene Weg für die DSL-Abschaltung ist ein Fortschritt, aber Berlin sollte vertreten, dass die Gesamtwirksamkeit erst erreicht wird, wenn der HFC-Bereich als eigenständige Transformationsaufgabe behandelt wird.
1) Anschluss an den ersten Beitrag: Was sich bestätigt hat
Der erste Beitrag hat argumentiert, dass ein verlässlicher, regelgebundener Migrationsrahmen für Kupfernetze notwendig ist, um den ineffizienten Dauerparallelbetrieb zu überwinden und Investitionen in Glasfaser zu stabilisieren. Genau diese Richtung ist inzwischen deutlicher erkennbar: Statt punktueller Einzelfalllogik rückt ein strukturierteres Vorgehen mit Kriterien, Fristen und Verfahrensregeln in den Vordergrund.
Berlin sollte vertreten, dass dieser Schritt ausdrücklich zu begrüßen ist, weil er
- Planungssicherheit für Infrastrukturentscheidungen verbessert,
- den Übergang in Richtung FTTB/H systematisiert,
- und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Altinfrastrukturen nicht auf unbestimmte Zeit weiterlaufen.
Damit wird eine zentrale Forderung aus dem ersten Beitrag bestätigt: Ohne klare Regeln bleibt Migration politisch gewollt, aber praktisch zu langsam.
2) Was aus Berliner Sicht weiterhin unzureichend adressiert ist
Der erste Blogbeitrag hat zugleich auf einen strukturellen Blindfleck hingewiesen: In großen Städten konkurriert Glasfaser vielerorts nicht mehr primär mit DSL, sondern mit HFC-Angeboten. Diese Diagnose bleibt zentral. Berlin sollte vertreten, dass ein ausschließlich kupferbezogener Regulierungsfokus in urbanen Märkten zu kurz greift.
Denn selbst bei funktionierendem DSL-Migrationspfad kann die Glasfasertransformation gebremst bleiben, wenn HFC als starker Preis- und Produktanker unangetastet bleibt. Dann verschiebt sich der Parallelbetrieb lediglich von „Kupfer + Glas“ zu „HFC + Glas“ – mit ähnlichen Risiken für Investitionsdynamik und Marktdurchdringung.
3) Was Berlin in der weiteren Debatte vertreten sollte
Anknüpfend an den ersten Beitrag sollte Berlin eine doppelte, konsistente Position vertreten:
Erstens: Den Kupfer-Glas-Pfad stützen und konkretisieren
Berlin sollte vertreten, dass der eingeschlagene Migrationspfad richtig ist und mit hoher Verbindlichkeit umgesetzt werden muss. Entscheidend sind:
- robuste, adressgenaue Nachweislogiken,
- klare Fristen- und Übergangsarchitekturen,
- praktikable Gebietsabgrenzungen,
- und tatsächlich nutzbare Open-Access-Bedingungen.
Zweitens: HFC ausdrücklich als zweite Transformationsachse etablieren
Berlin sollte vertreten, dass HFC/Koax nicht als Randthema behandelt werden darf, sondern als eigenständiger Regelungs- und Gestaltungsgegenstand. Ohne diese zweite Achse bleibt die urbane Perspektive unvollständig.
4) Operative Vertiefung: Wie ein Berliner HFC-Ansatz aussehen sollte
Im Sinne der Weiterführung des ersten Blogbeitrags sollte Berlin vertreten, dass ein HFC-Transformationspfad mindestens fünf Elemente umfassen sollte:
- Klares Zielbild für den Übergang HFC → Glasfaser
Nicht nur technologische Präferenz, sondern verbindliche Transformationslogik mit nachvollziehbaren Meilensteinen. - Belastbares Monitoring
Einheitliche und vergleichbare Kennzahlen zu Verfügbarkeit, tatsächlicher Nutzung, Inhouse-Erschließung und Wechselquoten. - Wettbewerbliche Umsetzungsfähigkeit
Vorleistungs- und Prozessbedingungen müssen so ausgestaltet sein, dass Anbieterwechsel und Marktzugang praktisch funktionieren. - Verbraucherorientierte Wechselpfade
Migration gelingt nur mit verständlicher Kommunikation, verlässlichen Zeitkorridoren, sozial tragfähigen Einstiegsangeboten und klaren Härtefalllösungen. - Pilotierung in urbanen Räumen
Metropolspezifische Umsetzungsmodelle sollten zunächst in realen Stadtkontexten erprobt und anschließend skaliert werden.
5) Politische Einordnung im Anschluss an den ersten Beitrag
Der erste Beitrag hat die Richtung vorgegeben: Fortschritte bei der DSL-Abschaltung sind notwendig, aber nicht hinreichend. Genau diese Bewertung sollte Berlin weiterhin vertreten. Der neue Ordnungsrahmen ist ein wichtiger Schritt, aber seine volle Wirkung entfaltet er erst, wenn der HFC-Bereich systematisch eingebunden wird.
Berlin sollte deshalb nicht zwischen „Kupfer zuerst“ und „HFC später“ trennen, sondern beides als zusammenhängende Transformationsaufgabe behandeln:
- Kupfer-Glas-Migration konsequent umsetzen,
- und parallel den Koax-Glas-Übergang regulatorisch entwickeln.
6) Verdichtetes Update-Fazit mit Bezug auf den ersten Blogbeitrag
Im Ergebnis bestätigt das Update die Grundlinie des ersten Beitrags: Die regulatorische Bewegung bei der DSL-Abschaltung ist real und bedeutsam. Für die spezifische Berliner Marktstruktur bleibt jedoch entscheidend, dass HFC nicht als impliziter Hintergrundfaktor, sondern als explizite zweite Migrationsdimension adressiert wird.
Berlin sollte vertreten: Der erreichte Fortschritt ist tragfähig – aber erst dann vollständig wirksam, wenn aus dem Kupfer-Glas-Pfad ein integrierter Infrastruktur-Transformationspfad wird, der den HFC-Bereich verbindlich einschließt.